Predigt

Die Predigt ist das Herzstück des evangelischen Gottesdienstes. Die Predigt ist eine Rede über Christus, oder, wie es Martin Luther sagen würde: „Was Christum treibet“. Der Mittelpunkt der Predigt ist der Predigttext, ein Ausschnitt aus der Bibel, dem Wort Gottes. Die Predigt erklärt diesen Text. Sie setzt ihn ins Christenleben, oder den Christen in das Leben mit Gott. Das Wort Gottes und das menschliche Leben werden miteinander verbunden. In der Summe ist die Predigt eine Gottesdienst-Rede, eine Erklärung des und über das Wort Gottes. Die Predigt zieht eine Verbindungslinie zwischen dem Ewigen dort und dem Zeitlichen hier. Und sie ist doch mehr als dies.

Die Bücher zur Predigt mögen lange Regalreihen füllen. „Predigen lernen, ein Lehrbuch für die Praxis“, „Schriftgemäß predigen“, „Einander ins Bild setzen“, „Homiletik zu den Psalmen“ usw. Nur vier Beispiele mögen genügen. Vorlesungen, Seminare, Freizeiten zum Thema Predigt und es lernen stehen als zahlreiche Angebote der Evangelischen und Evangelikalen Welt. Man kann es also lernen, das Reden von der Kanzel, die Kanzelrede. 
Lucas Cranach d. Ä. setzt die Predigt künstlerisch treffend ins Bild. Es ist das Altarbild in der Schlosskirche in Wittenberg, genauer, die Predella (das Fußbild) des Altars. Drei Bildteile stehen für die Predigt und die Gemeinde. Rechts die Kanzel mit Martin Luther als den, der die Predigt hält. Links die Kirchengemeinde, stehend und sitzend, Jung und Alt in Gemeinschaft. In der Mitte der gekreuzigte Christus, auf den der Prediger mit ausgestreckten Arm hinweist und auf den die Gemeinde schaut.

Dennoch steht die Frage, was wohl die Predigt besonders mache? Denn zunächst ist sie ja ein Menschenwerk; als Lebensresümee, in künstlerischer Gestaltung, die Sprache hervorhebend, betonend, hinweisend (wie im Theater), bewegt und bewegend in Worten und Gesten, dramatisch.

Doch in allem wäre sie leer und vergänglich, wäre sie nicht vom Heiligen Geiste gewirkt, durchweht, getränkt.

„Gleichwie Paulus bekehrt ist worden, also werden auch die anderen allzumal bekehrt; denn wir alle widerstreben Gott, aber der Heilige Geist zeuhet (zieht) uns Menschen, wenn er will, zu seiner Zeit durch Predigtamt, darum soll man das mündliche Wort allzeit groß achten und hören; denn die das mündliche Wort verachten, die werden alsbald zu Ketzern.“ (Martin Luther, Tischreden, 1540)

Peter Baake