Gemeinde - was ist das?

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis glauben Christen weltweit an die "Gemeinschaft der Heiligen" - doch: welcher Christenmensch würde sich als "heilig" bezeichnen? Zu hoch scheint der moralische Anspruch.

Gemeinde als "Gemeinschaft" zu verstehen, das geht schon eher. Wie ist diese Gemeinschaft zu verstehen? Ist es die Gemeinschaft derer, die regelmäßig sonntags in die Kirche gehen? Ist es die Gemeinschaft all derer, die Kirchensteuer zahlen? Oder ist es gar die Gemeinschaft aller, die sich "irgendwie" dem christlichen Glauben verbunden fühlen - ganz ohne Kirchenmitgliedschaft.

Evangelische Tradition lebt ganz stark vom Gespräch und von der streitbaren Diskussion. Miteinander darüber ins Gespräch kommen, was es heißt, "Christin" oder "Christ" zu sein - das ist schon ein Start in die "Gemeinschaft der Heiligen".

Anregung: Versuchsweise ist der Begriff "Gemeinschaft der Heiligen" so zu verstehen: Es ist die Gemeinschaft derer, die sich von Jesus Christus aus der Alltagswelt herausgerufen wissen und insofern "heilig" sind - im Unterschied zu "profan", "allerweltsmäßig".

Gemeinde in der Diaspora

In dieser Rubrik finden Sie die vielfältigen Aspekte der konkreten SItuation unserer evangelischen Gemeinde in der Diaspora des Schwarzwaldes. Hier leben überwiegend römisch-katholische Christenmenschen. Doch auch die Alt-katholische Gemeinde hat die kirchliche Situation stark geprägt.

Leben in der Diaspora, also "Zerstreuung" heißt für uns als evangelische Minderheit, dass wir uns nicht abkapseln und hinter verschlossenen Türen "unser Ding" machen. Nein, wir verstehen unseren christlichen Glauben als Möglichkeit, andere Formen der Nachfolge Christi kennen und schätzen zu lernen. Selbstbewusst müssen wir uns nicht auf die Unterschiede fokussieren, sondern dürfen miteinander feiern und unseren Glauben leben.

Die seit Mitte des 19. Jahrhunderst gewachsene Eigenart unserer evangelischen Kirchengemeinde hier im Bregtal zeigt: Es gibt kaum einheitlich gewachsene Glaubensformen. Wie in einer Großstadt finden sich bunt zusammen gewürfelt Glaubenstraditionen aus aller Herren Länder - das ist der Tatsache geschuldet, dass nach dem Krieg viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge sich hier in Furtwangen, Gütenbach und Vöhrenbach ansiedelten. Diese Vielfalt verschiedener protestantischer Traditionen wird erhöht durch den Zuzug vieler Studentinnen und Studenten und natürlich auch Professorinnen und Professoren. Diese fröhliche Weltoffenheit erlaubt es auch, über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen und in ökumenischer Gemeinschaft miteinander auch für die gerechte Sache zu kämpfen, wenn es denn sein muss - so wie etwa beim unvergessenen ökumenischen Kirchenasyl, das zu Beginn der 2000er Jahre erfolgreich endete.